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Live-Übertragung aus dem Übezimmer
Musikunterricht in der Corona-Krise am Musikum Grödig
„Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.“ mit diesen Worten eröffnet Anton Gmachl den Videochat.

Die neue Situation, mit der die Musiklehrenden derzeit konfrontiert sind, sieht der Musikum-Direktor des Sprengels Grödig als sehr fordernd, aber auch spannend an. Sie stelle uns vor große Herausforderungen, biete aber auch Chancen.

Mit der vorübergehenden Schließung der Schulen wäre vorerst auch der Unterricht für rund 10.000 Musikschüler/innen an den jeweiligen Musikum-Standorten im ganzen Bundesland eingestellt worden. Doch schnell wurde ein Plan B ins Leben gerufen. Der Aufforderung, den Instrumentalunterricht nach Möglichkeit online fortzusetzen, erging an die rund 400 Musikum-Lehrer/innen im Land. Digitale Angebote wurden eingerichtet. Die anfängliche Skepsis wich bald einer gewissen Begeisterung für das Neue und einer Neugierde darauf, alternative Unterrichtsformen auszuprobieren.

Vor gut einem Jahr war die Arbeitsgruppe „Musikum Futurum“ geschaffen worden mit dem Ziel, die digitalen Entwicklungen und Strömungen zu beobachten und nach sinnvollen Möglichkeiten zur Unterstützung des analogen Unterrichts zu suchen. Keiner hatte damals geahnt, dass diese Themen bedingt durch die Corona-Krise schon bald derartig aktuell werden würden.

Wie sieht nun der derzeit praktizierte alternative Musikunterricht aus?
Viele Schülerinnen und Schüler haben zur gewohnten Zeit Unterricht, allerdings per Video-Konferenz. Andere übermitteln ihren Lehrenden Audio- oder Videoaufnahmen und bekommen telefonisch oder mittels anderer technischer Medien Rückmeldung.

Wichtig ist, dass die Lehrenden mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt bleiben und versuchen, individuell auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse einzugehen. Auch das Lösen von Musik- und Notenrätseln kann eine sinnvolle Beschäftigung darstellen oder das Anhören von Youtube-Clips renommierter Musikinterpreten. Die besten Ideen - wie das tägliche Privatkonzert mit frisch geübten oder selbstkomponierten Stücken - kommen ohnehin von den Schülerinnen und Schülern selbst. Da lassen sich die Nachbarn schon mal gerne beglücken, wenn um Punkt 18:00 Altblockflöte und Klavier im Duett durch das geöffnete Fenster schallen.

Auf dem „Corona BLOG“ des Musikum mehren sich stündlich Ideen und Anregungen. Dabei zeigt sich, was man plötzlich an neuen Möglichkeiten wahrnimmt, wenn das „Altgewohnte“ nicht mehr praktikabel ist.

„Durch das herausragende Engagement der tollen Instrumentallehrer/innen am Musikum Grödig, wie in unserem Fall im Fach Klarinette, und dank der Nutzung moderner Medien und Kommunikationskanäle kann auch während dieser für uns alle fordernden Zeit ein sehr guter Unterricht stattfinden.“ lautet ein Eltern-Kommentar.

Zum Sprengel des Musikum Grödig, das seit 2001 von Anton Gmachl geleitet wird, zählen neben Grödig auch Anif, Elsbethen, Großgmain und Wals-Siezenheim. 1300 Schüler/innen werden derzeit von 40 Lehrer/innen betreut.

In der zweiten Woche der Corona bedingten Einschränkungen berichten Lehrende von ihren bisherigen Erfahrungen: so nehmen viele als positiv wahr, dass die Unterrichtseinheiten zwar kürzer ausfallen, dafür aber öfter stattfinden können. Ein weiterer neuer Aspekt des Online-Unterrichtes ist, dass die Lehrenden sehen, wo und wie das Kind zu Hause übt. Dabei kam es bereits zu so manchen Überraschungen, die dadurch zutage traten: sei es, dass das Klavier seit Jahren nicht mehr gestimmt worden war oder sich die Sitzgelegenheit beim Celloüben als völlig ungeeignet herausstellte.

„Also ich finde es manchmal lustig, wenn man zuhause Unterricht hat, aber manchmal traurig, weil man sich nicht persönlich sieht.“ teilt eine Schülerin ihre Empfindungen im Internet. Online-Unterricht ist sicher nicht dasselbe wie „Live-Unterricht“, aber eine sinnvolle Alternative in Zeiten wie diesen.

Eine Mutter schildert ihre Sichtweise folgendermaßen: „Eltern verbringen nun mehr Zeit mit den Kindern und dürfen (müssen) sich intensiv mit ihnen beschäftigen. Viele Eltern bekommen durch Ganztagsarbeit oft nicht mehr richtig mit, wie die Kinder sich schulisches Wissen aneignen oder wie der Übealltag beim Instrument-Erlernen aussieht. Natürlich ist es auch eine große Herausforderung. Eine richtige Zeiteinteilung der Aufgaben von Eltern, Kindern und Haushalt ist sehr essenziell momentan, um den Überblick (und die Nerven) nicht zu verlieren. Musik lockert das Ganze auf bei uns; sei es, dass meine Tochter auf der Geige von mir mit der Gitarre begleitet werden möchte, oder dass wir bei ‚Pippi Langstrumpf‘ mitsingen...“

Dass Eltern nun vermehrt mitbekommen, welche Prozesse bei den Kindern beim Üben ablaufen und was das Musizieren bei ihnen bewirkt, hat auch Anton Gmachl bereits beobachtet, der derzeit ebenfalls seinen Unterricht via Skype oder Teams abhält.

„Durch die Flut an schulischen Aufgaben erweist sich der Online-Unterricht als nicht immer einfach. Der Spaß an der Musik und die „Gaudi“ beim Unterricht sind vorranging.“ fasst er seine Erfahrungen zu „Musikunterricht und Corona“ nach Woche 2 zusammen.

(Fotos: Musikum Grödig/Stefan Prommegger/privat)
13.05.2020 · Günter Schaufler · Musikum Landesdirektion
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