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Musik? Je früher, desto besser
Gehirnforscher Manfred Spitzer zu Gast in Linz
Ein Beitrag von Dr. Elisabeth Mayr-Kern,
Amt der OÖ. Landesregierung, Direktion Kultur

„Musik und Gehirnentwicklung.“ Klingt sperrig, ist aber ein spannendes Thema, das an wichtige Fragen von Bildung, Erziehung und Entwicklung anknüpft. Was sollen Kinder und junge Menschen lernen, um sie gut auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten? Der deutsche Gehirnforscher Manfred Spitzer ist überzeugt: Musik, kreative Tätigkeiten und Bewegung bilden unersetzliche Grundlagen.

Manfred Spitzer befasst sich seit mehr als zwanzig Jahren mit Gehirnforschung, er hat dazu viele Bücher geschrieben und ist als Forscher international tätig. Die Rolle von Musik bzw. musisch-kreativer Bildung in Zusammenhang mit der Entwicklung des Gehirns hat ihn in seinen Forschungen stets begleitet. „Menschen machen seit rund 50.000 Jahren Musik, das heißt, Musik muss für den Menschen ganz allgemein einen irren Vorteil haben, sonst gäbe es sie nicht", sagte Spitzer in Linz. Konkret spricht Spitzer Entwicklungsprozesse im Gehirn an, die nicht von allein passieren, sondern gefördert und vorangetrieben werden können, denn: „Unser Gehirn ist ein Muskel. Wenn man ihn benutzt, wird etwas daraus." Musik, kreative Bildung ganz allgemein und Bewegung sind drei entscheidende Faktoren, die die Entwicklung des Gehirns positiv beeinflussen, davon ist Spitzer fest überzeugt. Entscheidend ist: je früher man beginnt, desto besser.

Musikalische Früherziehung macht also durchaus Sinn: „Schon nach zwei Jahren sind die Effekte dieses kontinuierlichen Lernens spürbar, man muss aber konsequent und gerne bei der Sache bleiben." Das menschliche Gehirn ist eben kein Computer, dessen Festplatte irgendwann voll ist: „Für das menschliche Gehirn gilt: je mehr drinnen ist, desto mehr passt rein."

Was sind aber nun die positiven Effekte von musischer Bildung auf die Gehirnentwicklung beim Menschen? Manfred Spitzer nennt folgende wesentliche Punkte: musisch-kreative Bildung unterstützt und beschleunigt Bildungsprozesse ganz allgemein. „Kinder, die ein Instrument spielen, sind im Vergleich zu anderen besser", ist Spitzer überzeugt. Zweitens fördert aktives Musizieren wesentliche menschliche Fähigkeiten, wie Selbstkontrolle, Empathiefähigkeit und soziale wichtige Kompetenzen: „ Fähigkeiten, die wir in unserer Gesellschaft heute unbedingt brauchen", ist der Forscher überzeugt.

Kurz und gut: „Wenn es die Musik nicht gäbe, müsste man sie ganz schnell erfinden." So prägnant diese Aussage ist, so sehr rührt sie für Manfred Spitzer an einen Kern, den er durchaus als Gefahr sieht. „Morbus Google" nennt er überspitzt die Tatsache, dass durch die Fokussierung auf neue Medien viele Fähigkeiten verloren zu gehen drohen. Auch hier sei als Gegengewicht musisch-kreative Bildung von enormer Bedeutung. Und Spitzer verweist auf das Beispiel Südkorea, wo man bereits Gesetze erlassen hat, die Kinder vor der exzessiven Nutzung digitaler Medien schützen sollen. Spitzer ist überzeugt: durch digitale Medien werden soziale Kompetenzen und Einfühlungsvermögen reduziert, Empathie nimmt ab.

Was also soll als Gegengewicht forciert werden? Musik, Theater, Sport und Sprachen. „Wer diese Fähigkeiten trainiert, kann beispielsweise Demenz um Jahre hinauszögern." Vor allem Musik sei von immenser Bedeutung. „Wer aktiv ein lnstrument spielt, der lernt Ziele mit mehr Nachdruck zu verfolgen, weil er seine Willenskraft trainiert. Er hat weniger Prüfungsstress, weil er von Kind auf gelernt hat, ähnliche Situationen bei Vortragsabenden und Konzerten zu meistern, wird schlauer, verdient später mehr und ist gesünder."

Hier gehts zum Vortrag von Professor Manfred Spitzer.
30.01.2017 · Günter Schaufler · Musikum Landesdirektion
Salzburg - Land / Stadt / Gemeinden