Achtung!
Sie haben JavaScript nicht aktiviert.
Teile dieser Website funktionieren deshalb nicht wie vorgesehen.
Home < News / Aktuelles : Aus der Erlebniswelt eines leidenschaftlichen Chorsängers
News
Aus der Erlebniswelt eines leidenschaftlichen Chorsängers
Backstage.

Würdiger, Respekt einflößender Eingang, eher nüchterne Gänge. Ein wenig schmucklos, funktionell. Die Wegweiser „zur Bühne“, „Probebühne“, „Künstlergarderoben“ jedoch, schlichte chromfarbene Lettern auf schalen Resopaltäfelchen, glänzen heller und feierlicher als ihre Machart es eigentlich zulässt. Ihr Anblick erzeugt schlagartig ein leises Flattern in der Magengegend und sorgt für merklich trockenen Mund. Wie beruhigend, auch Hinweisschilder zu den Toiletten sind vorhanden.

Angenehm durchflutet sitze ich in einem sehr gebrauchten Armstuhl an der Stirnwand des Probenraumes. Irgendjemand wird dieses Möbel wohl einmal hierher geschleppt haben in der Hoffnung darin, im Gegensatz zu den übrigen abgewetzten, sehr schlichten Stühlen, einladendere Entspannung vor dem Auftritt zu finden. Und hat ihn dann doch wieder beiseite geschoben, um die Erfahrung reicher, dass es nicht Inventar ist, das hier an diesem Ort Stimmung erzeugt. Schon in Chorkleidung, die Notenmappe in Griffweite, die jedoch nicht in Gefahr ist noch einmal durchgeblättert zu werden, genieße ich die vielschichtige Fülle an fühlbaren, ja fast greifbaren, atmosphärischen Nuancen. Wohlig schwingen die Stimmübungen in meinem Körper nach, vertraut formen sich noch einzelne Töne der kurz angesungenen Werke im imaginären Schnelldurchlauf in meinen wie von selbst fokussierten Gedanken zum Ganzen.

Durch den Raum schwebt ein Klangteppich summender Stimmen und hüllt schlussendlich das Geschehen in fast verschworenes Miteinander. Aufgeregt ruhig. Ruhig aufgeregt. Durchaus scheint der Aufruf unsere Instrumente möglichst zu schonen, um nicht durch unbedachte letzte Minuten vor dem Auftritt die Arbeit der zurückliegenden Wochen aufgrund angeschlagener Stimmen zu verderben, Wirkung zu zeigen. Intensive Wochen. Mehrmals haben sich Überwindung und Anspannung, Vorfreude und Bereitschaft zum Abschied an der Türschwelle zum Chorsaal die Hand gereicht. Fast immer standen Erfüllung und Regeneration, Lebenslust und Tatendrang nach der Probe am Ausgang zum Empfang bereit. Eben noch geprobte Passagen aus dem einen oder anderen Mund wiederholt, im Treppenhaus gesungen, gepfiffen, oder einfach noch mit der Kollegin oder dem Kollegen besprochen, als Begleiter in einen leichteren Alltag. Probentermine im durchaus ohnehin übervollen Kalender zwar in der Vergangenheit, aber keineswegs „abgehakt“. Vielmehr Zeugen eines nachhaltigen Stückes Weg, Einträge in das Logbuch wohl erhoffter, aber dennoch immer wieder ungeahnter Entdeckungsreisen. Erfahrung neuer - nicht nur musikalischer - Welten, individuell erlebt und im Kollektiv zum Ganzen geformt. Gewaltlos kraftvoll. Nicht bloß zusammen gesungen, sondern sich schließlich in einem nun selbstverständlichen Klang gefunden.

Alles das spiegelt sich nun hier in diesem Raum wider, ausgestrahlt von Menschen, die keinen Dienst tun, keine Pflicht erfüllen, sich nur selbst einen guten Dienst erweisen. Wartend wie ein lange gut umsorgtes, gehütetes Geheimnis endlich auf der Bühne gelüftet zu sein! Musikkonzentrat. „Bitte entnehmen Sie Zubereitungshinweise dem aufliegenden Konzertprogramm. Unsachgemäße Verwendung, sowie unerwünschte Nebenwirkungen ausgeschlossen.“ Alles könnte jetzt Bühne sein, groß, klein, professionell und improvisiert. Die Musik, das Singen, das gemeinsame Spüren von Klängen formt die Bühne, die es zu beleben, zu ersingen gilt! Wie sehr liebe ich diese Momente vor dem Auftritt, genossene Ungeduld, zelebriertes Warten! Kein Gefühl ausgeliefert zu sein, der Wunsch vielmehr anderen mit Freude einen wahren Schatz zu offenbaren.

Langsam, fast feierlich, formiert sich der Chor in seiner Aufstellung. Durch den Spalt der leicht geöffneten Tür zum Bühnenraum ist ein Stimmengewirr mehr zu spüren, denn zu hören. Ein energetisches Wogen der Erwartung. Magnetisierend. Es wird wohl Applaus sein, der die vorderen Reihen in Bewegung in Richtung Zuschauer kommen lässt und das Licht durch die geöffnete Tür ergießt sich einladend über die Sänger, versickert angereichert, als Nährlösung für die Seele nach dem Konzert, hinter der Bühne.

Backstage.

Autor: Richard Rauscher, Sänger im Musikum-KammerChor KlangsCala
Fotonachweis: Leo Fellinger (KlangsCala), Salzburger Festspiele (Helmut Zeilner)
30.01.2017 · Günter Schaufler · Musikum Landesdirektion
Salzburg - Land / Stadt / Gemeinden