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Infos
200.000 MusikschülerInnen dürfen nicht vergessen werden
Ein Beitrag von Michael SEYWALD

Mit rund 200.000 Kindern ist die Anzahl der MusikschülerInnen nach den VolkschülerInnen die größte Schülergruppe in Österreich. Das Musikschulwesen und die Chancen auf musikalische Bildung müssen daher im Zuge der Veränderung im Bildungswesen dringend mitbedacht werden. Wenn die zeitlichen Ressourcen der Kinder an Ganztagesschulen gebunden und örtliche Flexibilität dadurch eingeschränkt werden sollten, dann müssen Voraussetzungen geschaffen werden, dass Musikschulunterricht weiterhin stattfinden kann. Die Kooperation zwischen Musikschulen und öffentlichen Schulen ist diesbezüglich eine absolute Notwendigkeit. Das Musikum hat bereits Konzepte entwickelt, wie dieses Zusammenwirken erfolgreich sein könnte.

In einigen Schulen führen wir solche Kooperationen bereits erfolgreich durch. Dabei bieten wir ganzheitlichen Musikunterricht, zum Teil mit den Schwerpunkten Gitarre, Blockflöte, Singen sowie Streicher- und Bläserklassen an. „Wir unterrichten derzeit bereits an die 800 SchülerInnen in derartigen Kooperationsprojekten“, meint Michael Seywald, Pädagogisch-künstlerischer Landesdirektor des Musikum.

Wahlfreiheit muss erhalten bleiben
Die Einführung von ganztägigen Schul- und Betreuungsformen hat je nach Ausmaß mehr oder weniger gravierende Auswirkungen auf den Musikunterricht in den Musikschulen. Sollte es zu einer verpflichtenden Ganztagesschule mit verschränkter Form kommen, werden für einige Kinder die Chancen, ein Instrument am Musikum zu lernen, wesentlich eingeschränkt, weil wir nur einen Teil der Schulstandorte mit Unterricht versorgen können. Der Besuch des Unterrichts verlagert sich dann in die späten Abendstunden. Darüber hinaus ist die notwendige Infrastruktur in den Schulen großteils nicht vorhanden: Das Üben ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche musikalische Bildung, allerdings gibt es in den Schulen kaum bis gar keine Möglichkeiten zu üben.

Ein Salzburg heute-Beitrag zum Thema > Musikum und Ganztagsschulen (50 MB) aus dem April 2013.

Lösungsvorschläge
Tragfähige Lösungen kann es geben, wenn Bund, Länder und Gemeinden die notwendigen Rahmenbedingungen festlegen und umsetzen.

1. Gegenseitige Anerkennung von Fächern – Schule Musikschulen um Schüler nicht doppelt zu belasten – Gesetzenänderung seitens des Bundes notwendig
2. Rechtssicherheit: Rechtliche Rahmenbedingungen sind derzeit nicht ausreichend bzw. werden sehr unterschiedlich interpretiert
3. Lösung der Thematik Schulgeld (Schulgeldfreiheit in den Schulen)
4. Infrastruktur: Akustisch adaptierte Räume, Instrumente, Überäume …
5. Freiräume für Übezeiten
6. Organisation: Musikunterricht funktioniert dann, wenn der Unterricht der Schule und der Unterricht des Musikum miteinander abgestimmt wird
7. Zeitliche Freiräume für die SchülerInnen, die speziellen Förderunterricht im Musikum haben und wesentlich mehr Zeit zum Üben, Proben, und konzertieren benötigen
8. Planungssicherheit und Verlässlichkeit in der musikalischen Bildung – verbindliche mittelfristige Finanzierung des Musikum
9. Frühzeitige Information an SchülerInnen und Musikum, wenn Schulen auf ganztägige Formen umstellen
10. Zusätzliche Unterrichtsstunden für die Angebote in den Schulen
11. Ausbildung der Lehrenden muss sich an das sich ändernde Berufsbild anpassen
12. Ausrichtung der Weiterbildung der Lehrenden an die sich verändernden Aufgaben

Weitere Schritte
Die KOMU (Konferenz der Österreichischen Musikschulwerke) hat sich im Auftrag der Landeshauptleutekonferenz und der Landeskulturreferentenkonferenz eingehend mit dieser Thematik befasst und gemeinsam mit AGMÖ (Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich) und einer vom Unterrichtsministerium eingerichteten Arbeitsgruppe aus MusikschulexpertInnen und FachinspektorInnen für Musikerziehung ein konkretes 7-Punkte-Programm erarbeitet.

1. BUND
Erstellen der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von MusikschullehrerInnen (mit pädagogischem Universitätsabschluss!) in Kooperationsprojekten an Pflichtschulen und allgemein bildenden höheren Schulen im Team Teaching, die ermöglichen, dass MusikschullehrerInnen eine Klasse temporär auch alleine unterrichten können. (Ergänzung des Musikunterrichtes durch Angebote der Musikschulen.)

2. LAND / GEMEINDEN - SCHULERHALTER
Integration der Musikschulen als Kooperationspartner in die Nachmittagsbetreuung mit maßgeschneiderten musikalischen Angeboten bis hin zur Nachmittagsbetreuung an Musikschulen.

3. LÄNDER – eventuell BUND
Lösung des Problems der Schulgeldfreiheit durch Schaffung eines Fonds zur Abdeckung des Schulgeldanteils, eine § 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern oder andere geeignete Maßnahmen. [Klassenprojekte leiden unter dem Problem, dass Musikschulen verpflichtet sind, Schulgeld einzuheben, was mit dem Prinzip der Schulgeldfreiheit im Pflichtschulbereich kollidiert. Da diese Beträge pro Kind gering sind, gibt es bei bestehenden Projekten keine Probleme mit der freiwilligen Begleichung des Schulgelds, das oft auch von Elternvereinen, Musikvereinen oder Gemeinden übernommen wird.]

4. BUND / SCHULERHALTER
Rechtliche Flexibilisierung, zeitliche (Bund), und räumliche (Schulerhalter) um SchülerInnen den Besuch von Lehrveranstaltungen der Musikschule und um das notwendige Üben zu ermöglichen.

5. BUND
Gegenseitige Anerkennung von Fächern und damit die Anerkennung der Bildungsleistung der Musikschulen und öffentlichen Schulen durch Schaffung von Wahlfächern an Pflichtschulen und allgemein bildenden höheren Schulen. Beispiele für die Anerkennung des Musikschulbesuchs als Wahlfach finden sich in Südtirol, Bayern oder in der Schweiz. (Synergieeffekte nutzen).

6. LAND / SCHULERHALTER
Berücksichtigung der Bedürfnisse von MusikschülerInnen (geeignete Unterrichtsräume, schallgedämmte Überäume etc.) bei Schulneu- oder umbauten.

7. BUND / LAND / SCHULERHALTER
Schaffen der notwendigen Rahmenbedingungen (zeitliche Freiräume zum Üben und Zeitfenster für den Unterrichtsbesuch in Musikschulen, Universitäten und Konservatorien, Infrastruktur usw.) in ganztägigen Schul- und Betreuungsformen, um die bestehenden Begabtenförder-modelle und die Berufsvorbereitung an Musikschulen [In der Regel ist die Berufsvorbereitung in den Statuten der Musikschulen als Aufgabe verankert.], Universitäten und Konservatorien auch weiterhin in der notwendigen Qualität umsetzen zu können.
12.12.2013 · Günter Schaufler · Musikum Landesdirektion
Salzburg - Land / Stadt / Gemeinden